Stadt Leoben nimmt ihre Straßen digital unter die Lupe

Risse, Schlaglöcher oder andere Schäden frühzeitig erkennen, Sanierungen besser planen und gleichzeitig einen aktuellen Überblick über das Inventar im öffentlichen Raum behalten: Seit März setzt die Stadt Leoben ein digitales Straßenmanagementsystem ein.

Leoben, 14.10.2026

Innenansicht Smartphone an der Windschutzscheibe

Digitales Straßenmanagementsystem: Ein Smartphone an der Windschutzscheibe erfasst bei regulären Fahrten des Wirtschaftshofes alle vier Meter ein Bild. So entsteht laufend eine aktuelle Grundlage, um Schäden frühzeitig zu erkennen; Bild: leopress

Wie ist der Zustand einer Straße – und wo besteht als Nächstes Handlungsbedarf? Bisher wurde der Straßenzustand mittels laufender Beobachtungen, Schadensmeldungen und externen Befahrungen erfasst. Dazwischen wurden Schäden häufig von Mitarbeiter:innen der Stadt oder von Bürger:innen entdeckt und telefonisch oder per E-Mail gemeldet. Seit März 2026 ergänzt ein digitales Straßenmanagementsystem diese Arbeit und schafft eine laufend aktualisierte Datengrundlage.

Der Straßenzustand laufend im Blick

Das Prinzip ist unkompliziert: Ein eigens dafür vorgesehenes Smartphone wird an der Windschutzscheibe eines Fahrzeugs des Wirtschaftshofes befestigt. Hauptsächlich erfolgt die Erfassung im Rahmen der ohnehin stattfindenden Künettenaufsicht. Bei Bedarf werden einzelne Straßen oder Straßenabschnitte auch gezielt zur Zustandsbeurteilung befahren.

Der Fahrer startet und beendet die Aufnahme und kann während der Fahrt zusätzliche Kommentare einsprechen. Alle vier Meter wird ein Bild der Straße aufgenommen. Anschließend analysiert das System die Aufnahmen mithilfe künstlicher Intelligenz und ordnet den Straßenzustand objektiv in Zustandsklassen ein. Diese bilden eine Grundlage dafür, Erhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen gezielter zu planen und zu priorisieren.

Insgesamt umfasst das erfassbare Netz rund 130 Kilometer Straßen und Radwege. Nicht befestigte Straßen wie Schotterstraßen können mit dem System nicht beurteilt werden.

KI liefert die Daten – entschieden wird von Menschen

Dabei entscheidet nicht die künstliche Intelligenz, ob eine Straße saniert wird. Das System liefert eine objektive Datengrundlage. Erkennt es einen gravierenden Mangel, wird dieser vom Referat Facility Management und Tiefbau der Stadt Leoben fachlich bewertet. Erst danach werden gegebenenfalls entsprechende Maßnahmen eingeleitet.

„Gute Straßen und Radwege sind etwas, das wir täglich brauchen. Mit dem neuen System bekommen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen laufend aktuellen Überblick und können notwendige Maßnahmen auf einer besseren Datengrundlage planen. Entscheidend ist für mich, dass wir moderne Technik dort einsetzen, wo sie für die Menschen einen konkreten Nutzen bringt“, sagt Bürgermeister Kurt Wallner.

Vom Schlagloch bis zur Sitzbank

Die Anwendung kann aber mehr als Fahrbahnen beurteilen. Schrittweise entsteht damit auch ein digitaler Überblick über das Inventar des öffentlichen Raumes – etwa über Mülleimer, Sitzbänke oder Straßenschilder. Das neue System ermöglicht eine zentrale, georeferenzierte Erfassung und erleichtert damit auch die Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Stellen.

Zusätzlich kann die Anwendung für die interne Auftragsabwicklung genutzt werden. Schäden oder Mängel lassen sich einem konkreten Standort zuordnen, dokumentieren und in weitere Arbeitsschritte überführen. Damit soll der Weg von der Feststellung eines Problems bis zu seiner Bearbeitung nachvollziehbarer und effizienter werden.

Schadensmeldungen weiterhin möglich

Für Bürger:innen ändert sich eines ausdrücklich nicht: Schäden können weiterhin direkt an die Stadt Leoben gemeldet werden. Das digitale Straßenmanagement ersetzt diese Hinweise nicht, sondern ergänzt sie um eine systematische und regelmäßige Zustandserfassung. So können auch Schäden erkannt werden, die noch nicht gemeldet wurden.

Datenschutz von Beginn an berücksichtigt

Weil bei den Befahrungen Bilder des öffentlichen Raumes entstehen, wurde auch der Datenschutz im Vorfeld berücksichtigt. Zufällig aufgenommene Personen oder Kennzeichen werden automatisch unkenntlich gemacht. Die Bilddaten werden auf dem Smartphone verschlüsselt gespeichert und verschlüsselt übertragen. Die Aufnahmen werden anschließend automatisiert anonymisiert; die ursprünglichen unzensierten Daten werden gelöscht.

Langfristig soll die laufende Zustandserfassung nicht nur Arbeitsabläufe vereinfachen. Eine bessere Datengrundlage soll es ermöglichen, Erhaltungsmaßnahmen vorausschauender zu planen und Schäden frühzeitig zu erkennen, bevor daraus größerer Sanierungsbedarf entsteht.

Screenshot des Straßenmanagementsystems mit Punkten in unterschiedlichen Farben

Das digitale Straßenmanagementsystem macht den Zustand der Leobener Straßen sichtbar und hilft den Mitarbeiter:innen der Stadt, notwendige Sanierungen gezielt zu planen; Bild: vialytics

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