Gemeinderat: Grundsatzbeschluss für Bildungszentrum Fröbelgasse

Nachdem die Gemeinderatssitzung am 16. Dezember 2021 durch das vorzeitige, unentschuldigte Verlassen der Sitzung durch Vertreter der Oppositionsparteien abgebrochen werden musste, erfolgte heute am 30. Dezember 2021 die Fortsetzung.

Leoben, 30.12.2021

Außenansicht Gebäude Volksschule Leoben-Leitendorf

Bild: Foto Freisinger

Zuvor wurde das intensiv diskutierte Projekt des neuen Bildungszentrums Fröbelgasse mit der damit verbundenen Schulfusion von Leitendorf und Göss nochmals in einer Bildungsausschuss-Sitzung vorgestellt. Sämtliche damit verbundenen Fragen konnten durch die Mitglieder des Gemeinderates an die anwesenden Bildungs- und Bauexperten gestellt und diskutiert werden.

Vorbereitungsarbeiten

Bevor die Ausschreibung und Beauftragung für den Umbau des neuen Bildungszentrum Fröbelgasse ergehen wird, soll es – wie bei den beiden anderen Schulzentren – einen breiten Beteiligungsprozess geben. Dabei werden Eltern, Lehrer:innen und Bedienstete wieder intensiv im Gestaltungsprozess eingebunden sein. Zudem wird ein eigenes Verkehrskonzept erstellt.

Zeitplan und Beschluss

Von Sommer 2022 bis zum Frühjahr 2023 erfolgt der Architekturwettbewerb. Nach der anschließenden Planungsphase – in die die Ergebnisse des Beteiligungsprozesses einfließen – und Ausschreibung beginnen 2025 die Bauarbeiten.

U.a. werden die Hauswartwohnung und der alte Turnsaal abgetragen und durch einen Neubau mit Zentralgebäude und zwei neuen Turnsälen ersetzt. Darüber hinaus werden zeitgemäße Freizeit- und Speiseräumen geschaffen, die eine Ganztagsbetreuung (mit Frühaufsicht) ermöglichen. Über die Form wird das zukünftige Schulforum entscheiden. Somit werden alle Leobener Bildungseinrichtungen über eine ganztägige Betreuung verfügen. Die Investitionskosten für dieses Projekt belaufen sich auf € 16 Mio.

In Betrieb gehen soll das neue Bildungszentrum im Herbst 2026.

Der Antrag wurde mehrheitlich mit den Stimmen der SPÖ beschlossen. Dagegen stimmten die anwesenden Mandatar:innen von ÖVP, KPÖ, FPÖ, Grüne, ReiWa.

Entscheidung für Fröbelgasse

Die Entscheidung fußt auf sehr umfangreichen Vorerhebungen und Analysen, die schließlich zur Standortwahl geführt haben. Notwendig wird dieser Schritt durch die zu geringen Schülerzahlen und den hohen finanziellen Aufwand, Schulen dieser Größenordnung auf zeitgemäßen Standard zu bringen. Außerdem treffen Eltern die Auswahl ihrer Schule zusehends nicht mehr grundsätzlich nach ihrem jeweiligen Wohnort. Meist werden die Kinder sogar mit dem Auto quer durch die Stadt zur jeweiligen Wahl-Schule gebracht.

Beide Schulstandorte sind für den heutigen Bedarf zu groß und weisen jeweils große Grünflächen in ihrer Umgebung auf. Außerdem liegen sie nur 1,3 km voneinander entfernt.
Man musste sich daher für einen gemeinsamen Standort entscheiden, zwei Standorte aufrecht zu erhalten wäre die teuerste Variante, wäre nicht bedarfsgerecht und weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll.

Schlussendlich gaben dann u.a. auch die geringeren, geschätzten Kosten von € 16 Mio. gegenüber € 19 Mio.(Göss) für den Standort Fröbelgasse den Ausschlag. Die Sanierung beider Schulen in vollem Umfang würden Kosten in der Höhe von € 35 Mio., mit einer „abgespeckten“ Variante in Göss € 22 Mio verursachen.

Zudem ist zu bedenken, dass für die Tilgung der Darlehenskosten für die beiden Schulzentren Pestalozzi und Innenstadt bereits jetzt, 25 Jahre lang, € 1 Mio. pro Jahr zurückgezahlt werden muss. Dazu kommen noch die € 16 Mio. plus Zinsen.

In der Volksschule (VS) Leoben-Leitendorf sind im Schuljahr 2021/22 in sieben Klassen 95 Schüler:innen. Derzeit sind in diesem Schulgebäude acht Räume leerstehend bzw. anderweitig genutzt. Zwei Räume, die ehemals als sonderpädagogisches Zentrum genutzt wurden, sind ebenfalls leerstehend. Der Turnsaal ist zu klein und entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen. Zudem sind die die Sanitäranlagen im Turnsaalbereich stark sanierungsbedürftig. Die Bausubstanz generell befindet sich in einem guten Zustand. Das Areal verfügt über ein großzügiges Freiflächenangebot. Die durchschnittlichen Wartungs- und Instandhaltungskosten betragen jährlich € 15.000.-

In der VS Leoben-Göss befinden sich im Schuljahr 2021/22 in acht Klassen 136 Schüler:innen. 18 Räume sind derzeit leerstehend bzw. werden als erweiterter Klassenraum einer Stammklasse genutzt. Es besteht akuter Sanierungsbedarf im Bereich der Dächer und der Umkleidekabinen im Turnsaal. Auf Grund der so genannten „Splitlevel-Bauweise“ (halbgeschößig höhenversetzt), ist das Gebäude nur schwer, bzw. mit hohem finanziellem Aufwand sanierbar. Problematisch ist auch die nicht gegebene Barrierefreiheit. Der durchschnittliche Wartungs- und Instandhaltungsaufwand beträgt jährlich € 40.000.-

Zahl der Schüler:innen gesunken

Die Zahl der Volksschüler:innen in Leoben ist von 2.435 im Jahre 1955 auf nunmehr 705 (2020) gesunken. Von den derzeit 133 Volksschüler:innen in Leoben-Göss kommen 76 aus Göss, acht aus dem Schladnitzgraben und 49 aus anderen Stadtteilen. Die derzeit 92 Schüler:innen in Leoben-Leitendorf setzen sich aus 52 aus Leitendorf, 17 aus Hinterberg und 23 aus anderen Stadtteilen zusammen. Die Prognosen für den Zeitraum 2020 bis 2027 gehen von ca. 70 Volksschüler:innen pro Jahrgang in Leitendorf und Göss gemeinsam aus, somit von drei Klassen.

Vorreiterrolle bei Bildung und Kinderbetreuung

„In den Bereichen Bildung und Kinderbetreuung nimmt Leoben eine Vorreiterrolle ein. Deshalb wurden bereits zwei Schulzentren nach den modernsten pädagogischen Erkenntnissen mit Investitionskosten von € 14 Mio. bzw. € 17 Mio. in Donawitz und in der Innenstadt geschaffen. Im Bereich der Kinderbetreuung werden im Mühltal € 2,5 Mio. investiert. In weiterer Folge soll es auch in Göss zu weiterem Ausbau der Kinderbetreuung kommen“, so Leobens Bürgermeister Kurt Wallner.

Nachnutzungsvision für Areal Göss

Nach Abschluss des Sanierungsprozesses soll der Standort Göss als Generationen- und Sozialzentrum genutzt werden und zahlreiche Erweiterungsmöglichkeiten für Kinderbetreuung, Begegnungszentren, Wohngelegenheiten für Senior:innen oder einem Generationenpark bieten.

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Gerhard Lukasiewicz
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